Datenrettung nach einer Formatierung
Bei der Formatierung wird zwischen verschiedenen Arten unterschieden:
- Low-Level-Formatierung: Diese wird durch den Controller durchgeführt und dabei wird eine physikalische Einteilung des Datenträgers in Spuren und Sektoren vorgenommen. Diese Formatierung wird heutzutage fast immer schon beim Hersteller vorgenommen.
- Mid-Level-Formatierung: Hierbei wird eine High-Level-Formatierung vorgenommen und zusätzlich wird jedes Byte des Datenträgers mit einem bestimmten Zeichen, zumeist einer Null, beschreiben.
- High-Level-Formatierung: Hierbei wird der Datenträger logisch formatiert.
Im Allgemeinen ist die High-Level-Formatierung das, was man unter "Formatierung" bzw. "Formatieren" versteht. Windows kennt zwei Arten der Formatierung. Öffnet man den Dialog zum Formatieren eines Datenträgers, ist standardmäßig die Option "Schnellformatierung" aktiv. Deaktiviert man diese Option, wird eine "Formatierung" durchgeführt. Bis zur Version Windows XP wurden auch bei der normalen Formatierung die Daten nicht wirklich gelöscht, sondern lediglich die Verweise entfernt. Mit einer Datenrettungssoftware wie R-Studio konnte man die Daten in der Regel wiederherstellen. Ab Windows Vista wird beim Formatieren jedoch nicht nur eine High-Level-Formatierung durchgeführt, sondern praktisch eine Mid-Level-Formatierung, bei der alle Bereiche des Datenträgers mit Nullen beschrieben werden.
Das bedeutet, dass nach einer "Formatierung" unter Windows Vista, Windows 2008 oder Windows 7, die Daten nicht mehr wiederhergestellt werden können.
Bei einer Schnellformatierung ist eine Datenrettung weiterhin möglich, allerdings legt Windows seit Vista zunehmend größere Bereiche für die Verzeichniseinträge (MFT) an, so dass es passieren kann, dass eine Anzahl Dateien nicht wiedergestellt werden können. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Details.
Wiederherstellung von Daten auf NTFS-Datenträgern nach einer Schnellformatierung
Kunden und auch erfahrene IT-Techniker fragen uns häufiger, warum R-Studio nach einer Schnellformatierung auf einem NTFS-Datenträger nicht alle Daten wiederherstellen kann. Im Speziellen fällt auf, dass besonders unter Windows 7 nach der Formatierung eine ziemlich große Anzahl Dateien verlorengegangen ist.
Einige Basisinformationen zu NTFS und MFT
Einige Informationen vorab: NTFS speichert Informationen in einer speziellen Systemdatei $MFT, die normalerweise 1KB belegt. Wenn Windows XP einen Datenträger mit NTFS formatiert, dann wird eine 32KB große $MFT-Datei angelegt, die ausreicht, um 32 Dateien zu speichern. Wenn mehr Dateien auf den Datenträger geschrieben werden, und die existierende $MFT nicht groß genug ist, dann wird die Datei vergrößert, wobei Sie auch, wie jeder normale Datei, fragmentieren kann, also aus mehreren, verstreuten Dateifragmenten bestehen kann. Tatsächlich sind $MFT-Dateien meistens sehr fragmentiert und bestehen aus 3-10 Teilen, die über den gesamten Platz des Datenträgers verstreut sind.
Schnellformatierung unter Windows XP
Bei einer Schnellformatierung erzeugt Windows XP eine leere $MFT-Datei an einer bestimmten Adresse und füllt Sie mit leeren $MFT-Datensätzen. Da auch eine ältere $MFT-Datei an der gleichen Stelle positioniert war, wird bei der Schnellformatierung nur die Datensätze der ersten etwas 32 Dateien überschrieben. Dies ist normalerweise kein Problem, da die ersten 27 Dateneinträge immer Systemdateien sind, so dass nur 5 $MFT-Datensätze des Anwenders betroffen sind.
Schnellformatierung unter Windows 7
Bei Windows 7 ist dies anders. Standardmäßig wird hier eine $MFT-Datei von 256KB (gegenüber 32KB bei Windows XP) erstellt. Es betrifft somit rund 256 Datensätze und wenn man die 27 Systemdateien abzieht, dann sind nun 229 Datensätze des Anwenders betroffen. Die ersten 256 Dateien können daher nur über die Dateitypenerkennung wiederhergestellt werden, wobei es keine Informationen zum Dateinamen und zur Verzeichnisstruktur gibt.
Schnellformatierung unter Windows Vista
Windows Vista liegt bei den Werten zwischen Windows XP und 7 und hat einen Standard-MFT-Eintrag von 64KB.
Drei mögliche Situationen
- Ein Datenträger, der unter Windows 7 formatiert und verwendet wurde, wird nun unter Windows XP formatiert. XP erstellt eine $MFT-Datei mit 32KB und löscht nur die ersten 26 Dateieinträge von Systemdateien.
- Ein Datenträger, der unter Windows XP formatiert und verwendet wurde, wird nun unter Windows 7 formatiert. Jetzt hängt es von der Fragmentierung der MFT ab. Ist die MFT fragmentiert, so werden nur die ersten 32 Dateieinträge gelöscht, ist sie nicht fragmentiert, dann sind die ersten 64 Dateieinträge betroffen.
- Der komplizierteste Fall: Ein Datenträger wurde unter Windows XP formatiert und verwendet, dann nochmals unter XP formatiert und letztlich sollen unter Windows 7 Daten gerettet werden. Das Problem ist, dass Windows 7 eine Partition mit einer 32KB $MFT-Datei sieht und dies sofort auf 256KB vergrößert, wobei einige Daten zerstört werden können.
Schlussfolgerung
Wenn R-Studio, besonders unter Windows 7, eine ganze Anzahl von Dateien nicht mit dem alten Dateinamen und in der richtigen Verzeichnisstruktur auffinden und wiederherstellen kann, dann liegt das nicht an der Software, sondern an dem besonders großen Standard-MFT-Eintrag von Windows 7. Keine Software kann daran etwas ändern.
*) Alle Angaben zu Windows XP betreffen auch ältere Version mit NTFS-Support, wie Windows 2000 und Windows NT.